„…und abends gibt’s einen Stirnlampenlauf. Da wäre es super, wenn wir ein Foto hätten, bei dem man die Stirnlampen im Einsatz sieht, aber auch eine Verortung hat.“ – So ungefähr waren die Worte beim Briefing. Also eine Nachtaufnahme, damit man die Stirnlampen auch im Einsatz sieht, aber auch irgendetwas von der Landschaft, am Besten einen Berg, damit man eine Art Georeferenz im Foto hat. Spontan gehen da bei mir viele Filme im Kopfkino los: Nachtaufnahme, Bewegung, sich bewegende Lichtquellen, Landschaft… puh, nicht so einfach. Und das Schwierigste dabei: es ist kein geplantes Fotoshooting, also nichts gestellt etc., alles Laien während eines Trainigslauf am Abend. Ich hatte keine genaue Uhrzeit, wann sie denn nun wirklich an der Stelle vorbei kommen, keine Ahnung ich welcher Reihenfolge, wie schnell, wie dicht hintereinander. Also eigentlich wusste ich nur, dass sie kommen werden 😂

Planung ist alles

Natürlich haben wir das ein wenig geplant. Also zumindest die Dinge, die wir abschätzen und beeinflussen konnten. Wie wir das genau gemacht haben, könnt Ihr hier nachlesen:

Planung für das Stirnlampenfoto

Nachbearbeitung in Photoshop

Mir war von vornherein klar, dass es für mich da nur eine Chance gibt: ich muss eine Montage aus mehreren Fotos in Photoshop machen. Der Hintergrund muss getrennt von den Personen aufgenommen werden. Dies hat natürlich zur Folge, dass ich alles vom Stativ aus machen muss, damit ich die Überlagerung in Photoshop auch genau hinbekomme.

Warum überhaupt eine Montage?

Die Schwierigkeit bei dem Motiv besteht darin, dass die Läufer jeweils eine eigene Lichtquelle mit sich herumtragen, die Stirnlampe. Und der Lichtkegel dieser Lampen ist Teil der Aussage. Es geht ja schließlich um einen Stirnlampen-Trainingslauf. Da dies in der Dämmerung oder gar im Dunklen passiert, müsste ich theoretisch alles gut ausleuchten, damit ich genug Licht habe, um die Läufer auch aufs Foto zu bekommen. Doch wenn ich anfange, das Setting auszuleuchten, verliere ich den natürlichen Look der Stirnlampen. Bzw. es wäre so aufwendig, dass dies den Rahmen sprengen würde. Sowas kann man machen bei einem Werbeshooting für den Stirnlampenhersteller. Doch hier geht es um Reportage und Werbung für die Veranstaltung. Und wer mich kennt, weiß, dass ich noch nicht mal ein Blitzgerät besitze. Ich fotografiere grundsätzlich OHNE zusätzliche Lichtquellen 😉

Wenn ich also keine zusätzliche Beleuchtung einsetze, hat dies zur Folge, dass ich mit der ISO-Zahl sehr hoch gehen muss, damit ich noch halbwegs eine Belichtungszeit zustande bekomme, bei denen die Läufer nicht total unscharf sind. Das hat wiederum zur Folge, dass der Hintergrund unscharf sein würde und sehr, sehr grisselig – Pixelmatsche. Das hilft jetzt bei der Umgebung nicht wirklich. Also war mir schnell klar, dass ich Hintergrund und Personen getrennt aufnehmen und diese nachher in Photoshop zusammenbasteln muss. Denn dann kann ich das Hintergrund-Foto bei niedriger ISO-Zahl schön rauscharm und scharf aufnehmen. Die Läufer fotografiere ich anschließend bei maximaler ISO-Zahl, zwar grisselig, aber dafür halbwegs scharf mit natürlichem Licht der Stirnlampe.

Hintergrundfoto in der Dämmerung

Damit ich auch genug Details, Schärfe und wenig Rauschen fürs Foto bekam, nahm ich die Landschaft in der Dämmerung auf. Die Position war nach ein wenig hin- und herüberlegen gefunden und das Stativ fixiert. Ich hatte ja nur einen Versuch für das Ganze. Das Stativ zu einem späteren Zeitpunkt nochmals versetzen ging nicht. Hintergrund und Läufer müssen ja zusammen passen. Ich hatte ein paar Aufnahmen zu unterschiedlichen Zeiten/Lichtstimmungen gemacht. Das war der einfache Part. Jetzt hieß es warten auf die Läufer…

High-ISO Aufnahmen der Läufer

Spannender wurde es natürlich, als die Läufer dann endlich kamen. Ursprünglich war die Idee und Absprache, dass diese bei noch genügend Restlicht an den Fotopunkt kommen sollten. Soweit die Theorie. Das hatte leider nicht funktioniert. Und es wurde immer dunkler und die ISO-Zahl immer höher. Schlussendlich sind die Läufer eine Stunde später als erwartet gekommen. Da war es schon fast zappenduster. Ich hatte das Foto gedanklich schon abgeschrieben, denn meine ISO-Werte waren am Anschlag und die Verschlusszeit lag unter 1/8 Sekunde. Da war ich schon ein wenig unrund. Als dann die Läufer kamen, konnte ich bei den ersten die Zeiten testen. Glücklicherweise machten die Stirnlampen ordentlich Licht und ich hatte Verschlusszeiten zwischen 1/80 und 1/125 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 25.600. Ja genau – 2 5 . 6 0 0 !!! Das ist IRRE. Vor ein paar Jahren hätte ich jedem zu so einem Foto ein Satz Malen-Nach-Zahlen geschenkt. Das ist doch überhaupt nicht zu gebrauchen.

Nikon Z7 High-ISO

Doch ich war überrascht, was die Qualität dieser Aufnahmen angeht. Ja ok, man sieht deutlich das Rauschen und es grisselt vor allem in den Schattenbereichen. Aber hey, ich habe Fotos von Läufern machen können, auf denen man noch was erkennt. Es war ja schließlich völlig dunkel! Viele hatten sich über eine schlechte Qualität in Sachen Rauschen bei der Nikon Z7 beschwert. Aber ich kann da jetzt nicht meckern!

Silentmode und Stirnlampe

Bei der Nikon Z7 gibt es den sogenannten Silentmode, bei dem man keinerlei Auslösegeräusche mehr hört. Großartige Sache! Hat aber auch einen Haken. Bei künstlichen Lichtquellen kann es vorkommen, dass die Fotos Streifen bekommen. Das liegt an der Frequenz der Lichtquellen. Und die Stirnlampen hatten eben eine Lichtquelle, bei denen diese Streifen auftreten. Dummerweise hatte ich den Silentmode noch aktiviert (finde den echt cool) und die ersten Fotos sind da leider in die Hose gegangen. Glücklicherweise waren es genug Läufer, die auch mit Abstand angelaufen kamen, so dass ich im Menü den Silentmode schnell abschalten konnte und die restlichen Fotos dann alle brauchbar waren.

Silentmode und Stirnlampen sind nicht kompatibel

Montage in Photoshop

Die Montage in Photoshop war dann die nächste Herausforderung. Theoretisch war ja alles klar, doch praktisch war es dann doch ein wenig kniffliger. Erst mal alle Fotos als Ebenen und Smart-Objects in Photoshop laden.

Die Hintergrund-Ebene habe ich ein wenig abgedunkelt und im Vordergrund mit einem radialen Verlauf leicht aufgehellt. So war es einfacher für mich, die Personen nachher einzuarbeiten.

Ebene mit Läufer

Die Läufer habe ich mit einer Ebenenmaske freigestellt. Wie man hier sieht, habe ich den Lichtschein der Stirnlampen ebenfalls maskiert, da an der Stelle ein unschönes Rauschen entstand. Dadurch hatten die Läufer zwar erstmal keinen schönen Lichtschein mehr, aber das konnte ich später wieder auffangen.

Helligkeitsebene für den Boden

Was mir genauso wenig gefiel, war der Boden im Vordergrund bei der Ebene der Läufer, also der High-ISO-Ebene. Das sah zu unscharf und grisselig aus. Daher hatte ich diese ebenfalls maskiert, was dazu führte, dass der Lichtkegel der Stirnlampen auf dem Boden wegfiel. Dies habe ich mit einer Helligkeitsebene wieder ausgeglichen. Ich habe mir den Teil aus der Läufer-Ebene kopiert und als neue Ebene mit der Helligkeits-Verrechnung drüber gelegt. So hatte ich den Lichtkegel auf meiner sauberen Untergrund-Ebene.

Lichtschein der Stirnlampen

Nun musste ich nur noch den Lichtschein der Stirnlampen wiederherstellen bzw neu generieren, die ich zuvor ausmaskiert hatte. Dafür habe ich das PlugIn „Digital Film Tools“ genutzt. Hier habe ich vier Ebenen mit jeweils einer Lichtquelle auf die entsprechenden Stellen im Foto platziert.

Die jeweiligen Lichter habe ich individuell angepasst, so dass sie alle unterschiedlich aussehen und dem Original möglichst nahe kommen.

Abschließende Retuschen – fertig!

Zum Schluss gab es noch ein paar kleine Retuschen, wie zB das Licht an einem Pfeiler der Bergbahn in Grän, welche man links im Hintergrund in der Silhouette sehen konnte oder der linke Stock der Läuferin im Vordergrund, welcher schon sehr verschwommen war.

Tadaaa

Stirnlampenlauf mit Peter Schlickenrieder, Traildays 2019, Tannheimer Tal, Tirol, Österreich

Und so sieht das Foto dann fertig aus. Insgesamt habe ich für die Retusche ca 2 Stunden gebraucht. Ist jetzt nicht unbedingt wenig, aber der Aufwand hat sich gelohnt.

Was meint Ihr?