Seit 2004 gibt es keinen Meisterschutz mehr für das Fotografenhandwerk in Deutschland. Und das ist auch gut so und sollte auch so bleiben. Doch anscheinend ist die Unsinnskreativität der deutschen Politiker immer für eine Überraschung zu haben.

„Meisterbrief erhalten und verteidigen“

So heißt es im Koalitionsvertrag der GroKo von 2018 in Deutschland. Dies hat zur Folge, dass vor der Sommerpause noch Anhörungen mit Handwerksverbänden durchgeführt werden sollen. Und natürlich wird der Verband ganz klar empfehlen, den Meistertitel als Pflicht wieder einzuführen. Dies würde dann zur Folge haben, dass im Herbst das Gesetzt bereits beschlossen wird und dann ab dem 1.1.2020 gültig wäre. Die Regulierung soll für Neueinsteiger gelten, nicht die bestehenden gewerblichen Fotografen. Für die soll es eine Art „Bestandsschutz“ geben.

Warum denn überhaupt?

Sieht man sich die Entwicklung der letzten 15 Jahre an, kommt man schon ins Grübeln, ob der Markt überhaupt so viele Fotografen braucht, wie es aktuell der Fall ist. Denn die Zahl der Gewerblichen ist seit 2004 mit rund 1.000 auf 14.000(!) angestiegen. Das ist schon eine irre Entwicklung. Aber was bedeutet das für den Fotografenstand? Was für Auswirkungen hat das auf den Markt?

Preiskampf und Co

Was immer passiert, wenn ein Markt geöffnet wird – es herrscht Preiskampf. Viele Fotografen definieren sich über einen zu günstigen Preis und machen damit den Markt sehr, drücken es wir mal positiv aus, dynamisch. Aber war das nicht schon immer so? Hand auf’s Herz. Es gab doch schon immer einen, der es günstiger gemacht hat, oder? Gut, jetzt gibt es nicht nur einen, sondern gleich 100, die es billiger anbieten. Aber was soll’s. Das Prinzip „Qualität hat seinen Preis“ ist doch ein alter Hut!

Meister ≠ Qualität

Nicht jeder Fotografen Meister liefert auch gleichzeitig meisterhafte Fotos ab, nur weil er eine Prüfung bestanden hat. Das habe ich bereits im ersten Lehrjahr meiner Ausbildung verstanden. Ich hatte das große Glück, in einem sehr kleinen Ausbildungsbetrieb lernen zu dürfen. Dort konnte und musste ich alles an Arbeiten erledigen, die anfielen. Darunter auch das Entwickeln von all den mehr oder weniger ambitionierten „Hobby“ Fotografen aus der Umgebung. Wir waren damals schon einer der wenigen Betriebe, die noch selbst entwickelt hatten. Und was ich damals schon von den vermeintlichen Laien so alles zu sehen bekam, war definitiv besser, als die Fotos von vielen, geprüften Meisterfotografen. Damals wurde mir schnell klar, dass ein gutes Foto nichts mit einem Titel zu tun hat, sondern viel mehr mit der Kreativität der Person hinter der Kamera. Die Meisterprüfung diente inhaltlich nicht dazu, die Fähigkeiten des Fotografen in der Fotografie zu fördern. Hier ging es um betriebswirtschaftliche Dinge und die Qualifizierung als Ausbilder.

Dann mach doch die Meisterprüfung

Natürlich kann man den Meistertitel wieder einführen und als Pflicht der Branche auferlegen. Aber was würde das bringen? Ja genau, den Schritt zurück nach Damals. Früher war ja alles besser. Ääähhh, nein. Hatte ich ja oben bereits erwähnt. War es damals schon nicht. Und welche Prüfung denn überhaupt? Wie sieht denn die Meisterprüfung von heute aus? Und wer soll die machen? Welche Anforderungen müssen denn gegeben sein, dass man sich Meister der Fotografie nennen darf? Sicherlich nicht die gleichen, die es damals waren. Denn seit dem hat sich ne Menge getan. Die Digitalfotografie hat die Branche auf den Kopf gestellt. Und da stehen wir, meiner Meinung nach, erst am Anfang der Entwicklung.

Meistertitel für Portraits?

Schaut man sich mal genauer an, für welche Bereiche der Fotografie der Meistertitel Pflicht war, versteht man es noch weniger. So galt ein Meistertitel als Voraussetzung z.B. für Portrait- und Hochzeitsfotografie. Hhhmmm, warum jetzt genau? Ist das gefährlich oder gesundheitsschädlich bei falscher Ausführung des Berufs? Nö! Im schlimmsten Fall sind die Fotos von minderer Qualität. Mehr nicht. Da wird keiner verletzt. Also wofür sollte jetzt der Meistertitel sein? Ich hab’s noch nie verstanden.

Der Kunde braucht eine Sicherheit

Die hat er ja. Und einfacher, als zur analogen Zeit. Denn heute kann sich jeder Kunde mal gerade eben die Website des Fotografen anschauen. Das digitale Schaufenster. Und das ist doch viel besser, als damals. Ich kann so schnell und einfach Fotografen-Portfolios vergleichen und mir genau den raussuchen, der mir vom Stil her gefällt. Das ist doch großartig. Früher hätte ich diverse Schaufenster abklappern müssen, wenn ich gewusst hätte, wo überall Fotografen sind.

Angebot und Nachfrage

Das ist auch ein altes Prinzip in der freien Wirtschaft. Und so sieht es auch bei den Fotografen aus. Es gibt zwar unfassbar viel mehr Fotografen, aber der Bedarf an Fotos ist auch explodiert. Schaut man sich mal an, wie sich die Kommunikation, Marketing, Werbung, etc. verändert hat, benötigt die Wirtschaft heutzutage auch viel mehr Fotos. Und dafür braucht man viele Fotografen.

Fazit – Meisterzwang für Fotografen brauchen wir nicht

Mein Fazit bei diesem Thema ist ganz klar – brauchen wir nicht. Und wenn Du auch dieser Meinung bist, dann unterschriebe doch hier die Petition.

Wenn Du anderer Meinung bist, dann freue ich mich über einen Austausch hier in den Kommentaren.