Heute ist es tatsächlich gekommen, die neue EU Urheberrechtsreform ist beschlossene Sache. Irgendwie war mir das klar. Ja, vielleicht bin ich da zu pessimistisch eingestellt, aber spätestens nach unserem Telefonat letzte Woche mit der Politikerin Helga Trüpel wurde mir klar, worum es ihr und den anderen Politikern geht: alle sollen in eine Verwertungsgesellschaft. Und für diejenigen, die bisher nicht in einer solchen organisiert sind, „spielt man mit dem Gedanken, eine solche zu gründen“, so Frau Trüpel. Und da wurde mir ganz klar, dass die Reform kommen wird. Denn alle Schaffenden sollen verpflichtend in einer der Gesellschaften organisiert werden. Ob derjenige will, oder nicht.

Ist doch super, oder?

Nee, ganz und gar nicht. Eine Verwertungsgesellschaft a la GEMA würde mein bisheriges Business Modell obsolet machen. Denn ich lebe davon, dass ich Fotos zu einem Preis verkaufen kann, den ich bestimme und auch in voller Höhe bekomme. Die Abschlagszahlungen einer GEMA wären vergleichsweise so minimal, dass dies kein Business-Modell mehr wäre. Wenn ich es gewollt hätte, dass ich für ein Foto nur ein Centbetrag, vielleicht mal einen Euro, erhalte, wäre ich Stock-Fotograf bei Fotolia geworden. Aber das bin ich nicht und will ich nicht sein.

Aber warum überhaupt eine Verwertungsgesellschaft?

Diese Frage habe ich mir natürlich auch gestellt. Die Antwort wird sicherlich bald kommen. Meiner Meinung nach (und wenn ich den Netzpolitik Artikel dazu richtig verstanden habe) werden Google, Facebook und Co keine Lust haben, mit jedem einzelnen Urheber einen Vertrag auszuhandeln. Das wird zu mühsam sein. Daher wird der Vorschlag kommen, eine Gesellschaft zu gründen, die das pauschal für alle ihre Mitglieder mit den großen Konzernen regelt. Und damit dann die einzelnen Werke abgeglichen werden können, benötigt die Verwertungsgesellschaft eine Datenbank mit allen Werken ihrer Mitglieder, die sie dann den Konzernen für ihre Filter zur Verfügung stellen kann. Eine Art WhiteList. Alles was da drin ist, darf man dann nutzen. Wie genau die Vergütung dann von statten gehen soll, steht noch in den Sternen. Alles, was nicht in dieser Datenbank drin steht, wird künftig blockiert. Die Rechtsunsicherheit bei einem nicht lizensierten Inhalt ist für Google und Co dann Grund genug, diesen abzulehnen. Zu gefährlich, zu aufwendig, das nachzuprüfen. Das Resultat: Bist Du nicht Mitglied, hast Du Pech!

Was bedeutet das für mich als Fotograf?

Wenn es tatsächlich dazu kommen wird, dass die big player aka Google, Facebook und Co die Filtertechnologie inne haben und auch einsetzen werden, dass Verwertungsgesellschaften mit diesen Konzernen Verträge aushandeln, um damit die Filter mit Referenzmaterial zu bestücken, dann werde ich als einzelner Fotograf, der nicht in einer Verwertungsgesellschaft Mitglied ist, ein Problem bekommen. Das hätte zur Folge, dass meine Inhalte auf den besagten Plattformen schlichtweg nicht hochgeladen werden können. Und das wäre fatal.

Kunden-Szenario

Machen wir mal ein Beispiel: Ein Hotel beauftragt mich, neue Fotos von den Räumen etc. zu erstellen. Der Job ist gemacht, die Fotos fertig und dem Kunden ausgehändigt. So, wie das bisher auch ist. Nun kann der Kunde damit seine Website bestücken. Natürlich ist das Hotel auch auf Social Media Plattformen aktiv, wie zb Facebook oder Instagram. Und logischerweise wird dann das Hotel dort auch versuchen, die Fotos hochzuladen. Aber dies wird dann nicht mehr funktionieren, da die Fotos nicht in der Referenzdatenbank enthalten sind und der Uploadfilter die Fotos dementsprechend nicht akzeptiert. Und das findet mein Kunde ganz sicher echt besch***, hat er doch Geld dafür bezahlt.

Klar kann der Kunde dann sagen, dass ich doch in solch eine Verwertungsgesellschaft eintreten soll, damit er die Fotos wie gewohnt nutzen kann. Und ja, das könnte ich machen. Hätte dann zur Folge, dass jeder andere auf diesem Planeten die Fotos ebenfalls nutzen kann. Die Konkurrenz könnte sich schöne Landschafts- oder Stimmungsfotos schnappen und ebenfalls damit Werbung machen. Oder gar völlig branchenfremde Unternehmen, Websites, etc. nutzen dann die Fotos. Auf gut deutsch: die Fotos werden Freiwild. Und damit ist die Werbung für das Hotel im Eimer. Und dann bleibt die Frage übrig, ob das Hotel dann immer noch mich beauftragt, die Fotos zu schießen, wenn es doch keine Exklusivität mehr gibt.

Füttere den Honigtopf

Wird mich dann irgendein Kunde dafür bezahlen, Fotomaterial zu produzieren, welches in die Referenzdatenbank einer Verwertungsgesellschaft eingetragen wird, damit sie jeder nutzen kann? Ich befürchte, nein. Der Kunde wird argumentieren, dass ich einerseits von der Verwertungsgesellschaft Geld bekomme und er keinerlei Exklusivität mehr auf die Fotos hat. Wofür soll er mich denn noch bezahlen?

Freie Werke

Dann gibt es noch die freien Werke. Also die Fotos, die ich ohne speziellen Auftrag produziert habe und später dann einzeln verkaufe. Wie soll das künftig funktionieren? Klar, auf meiner eigenen Website kann ich die Fotos nach wie vor hochladen und präsentieren. Doch in SocialMedia Plattformen kann ich sie nicht mehr bewerben. Und in der Google Bildersuche werden sie auch nicht mehr auftauchen, wenn ich kein Mitglied einer Verwertungsgesellschaft bin. Somit wird die Monetarisierung dieser Fotos extrem erschwert. Wie sieht das eigentlich dann mit solchen Online-Shop aus wie zB Artflakes, wo jeder seine Fotos zum Verkauf anbieten kann? Die müssten doch laut Gesetz ebenfalls einen Uploadfilter einsetzen. Und dann? Bin ich wieder raus.

Ungebremster illegale Bildernutzung

Ursprünglich war das Ganze mal dazu gedacht, die Werke besser zu schützen, die Künstler besser zu vergüten aber auch die Nutzer besser zu schützen. Das wird sicherlich nicht der Fall sein. Denn mein größtes Problem, was ich habe, sind doch die Leute, die meine Fotos in der Regel von meiner eigenen Website runterladen und irgendwo wieder hochladen, publizieren und nutzen, ohne dabei mich je um Erlaubnis gefragt zu haben, geschweige denn, mich in irgendeiner Art bezahlt zu haben.

Ich nutze seit einiger Zeit Dienste wie Plaghunter, Copytrack und Pixsy und bin immer wieder entsetzt, wie oft Fotos von mir einfach illegal genutzt werden. Und nicht zu knapp. Das beliebteste Foto von mir, die Grazer Oper, ist in den letzten 2 Jahren rund 1000 Mal (!) auf irgendwelchen Seiten aufgetaucht. Einfach so. Wo bleibt da der Schutz für mich? Auch wenn es Upload-Filter gäbe, wird das nichts bringen. Denn die meisten Nutzungen sind auf irgendwelchen Websites, die keine Uploadfilter einsetzen würden. Wo ist also der Schutz? Was macht da genau die Urheberrechtsreform für mich? Gar nichts! Denn es werden weiterhin meine Fotos einfach so von meiner Website runtergeladen und illegal genutzt. Das wird die Reform nicht verhindern. Denn darauf geht sie gar nicht ein. Das kommt in der ganzen Reform gar nicht vor.

Fazit

Tja, wie soll das jetzt weitergehen? Ehrlich gesagt, habe ich da noch keine Ahnung. Wenn Ihr andere Gedanken dazu habt, bitte schreibt hier in die Kommentare Eure Meinung oder Ideen. Vielleicht mache ich ja auch einen Gedankenfehler. Habe ich was übersehen? Wer weiß einen Ausweg aus dieser Misere?