Photoshop Alternative: Affinity (Beta)

Nach langer Zeit gibt es mal wieder jemanden, der eine Alternative zu Photoshop auf den Markt bringt. Und das ist gut so! Die Firma Affinity stellt ihr neues Produkt Affinity Photo vor. Die Bildbearbeitungssoftware gibt es zur Zeit gratis in der Beta-Version.

Sogenannte „public beta“ Versionen sind ja immer gut, wenn man als Firma nicht genügend eigene Kapazitäten hat, die Software zu testen. Bzw. ich finde es generell eine gute Idee, da durch die kostenlose Beta-Version viele Neugierige die Software testen werden (ich ja auch!) und damit bereits eine gewisse Kundenbindung entsteht. Und wenn man es richtig macht, so wie in diesem Fall, schaltet man gleich ein Forum mit dazu, in dem sich die Beta-Tester austauschen und die Entwickler sich das Feedback anschauen können.

Überblick

Im Gegensatz zu Pixelmator (ein fast schon alter Hase in Sachen Photoshop Alternative, ist aber nicht wirklich eine Konkurrenz, sondern eher ein Programm für Leute, denen Photoshop viel zu viel ist!) hat Affinity Photo ganz klar den Ansatz, Photoshop also Vorbild zu nehmen und diesen Urviech der Bildbearbeitung nachzubauen. Ob das Sinn macht, werden wir noch sehen…

Wer Photoshop nutzt, wird sich hier auf Anhieb gut zurecht finden. Die Werkzeuge, Funktionen, Einstellungen, Ebenen, Filter, Effekte etc. ähneln doch sehr dem großen Vorbild.

RAW Konverter

Beim Laden eines RAW-Fotos öffnet sich erst einmal der RAW-Konverter. Auch hier sind die Funktionen sehr ähnlich dem von CameraRaw in Photoshop.

Ich muss sagen, die Geschwindigkeit des RAW-Konverters ist jetzt nicht der Bringer. Ok, ich hatte hier mal ein paar Einstellungen gemacht, wie auch z.B. eine Rauschunterdrückung. Und gerade Letzteres frisst enorm viel Zeit, wie man ja von diversen PlugIns auch kennt. Aber hier war es schon sehr langsam.

Bildbearbeitung

Nach dem RAW Konverter gelangt man in die „normale“ Bildbearbeitung. Hier hat man, auch wieder sehr ähnlich wie in Photoshop, Ebenen, Einstellungsebenen, Effekte, etc. So werden z.B. alle Bild-Anpassungen in einem Anpassungs-Layer über dem Bild angezeigt. Das hilft natürlich bei der Bearbeitung sehr, da die Einstellungen zu den Anpassungen zu jeder Zeit veränderbar sind und auch die Reihenfolge im Nachhinein noch austauschbar ist.

Farbkorrektur leider die gleiche wie Photoshop

Hier war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht! Ich hatte die große Hoffnung, dass dieses Programm die Farbkorrektur endlich mal besser macht, als die seit Jahren(!!!) unfassbar schlechte Farbkorrektur in Photoshop. Doch leider wurde auch hier das gleiche Fenster kopiert und somit auch die unzulängliche Farbkorrektur.

Denn das es bessere Ansätze gibt, zeigt z.B. CaptureOne, bei dem ich mit einem Farbwähler die Farbe auswählen kann und dann auf einem Farbkreis die Breite des Einflusses bestimmen kann. So kann ich sehr leicht und sehr gut Farben in einem Foto korrigieren.

großartige Farbkorrektur in CaptureOne

Sowas gibt es leider seit 25 Jahren Photoshop noch immer nicht und eben auch nicht in Affinity Photo. Schade!

Fazit!

Es ist immer gut, wenn es zu einem Produkt eine oder mehrere Alternativen gibt. Photoshop hat sich in den letzten 25 Jahren zu DER Bildbearbeitungssoftware entwickelt, wo kein Profi drum herum kommt. Das ist nicht immer gut, da die Monopolstellung auch seine Nachteile hat! Nun zeigt ein Unternehmen endlich mal wieder Mut und greift den Giganten an.

Es macht zur Zeit wirklich noch den Eindruck von David gegen Goliat, wobei noch nicht klar wird, ob in diesem Falle David überleben wird. Ich bin ehrlich gesagt nicht so enthusiastisch, da Affinity Photo mir zur Zeit keinen Grund gibt, diese Software zu nutzen. Es gibt keine Vorteile gegenüber Photoshop, warum also wechseln?

Und genau das wird auch der Knackpunkt meiner Meinung nach sein. Wenn sich hier nicht was ändert, sprich manche Dinge einfach mal neu andenken, wie bei der Farbkorrektur, dann wird das Programm nicht lange Bestand haben. Mit dem recht günstigen Abomodell von Adobe ist Photoshop für die Profis keine Frage mehr. Da muss schon ein Feature kommen, damit irgendeiner sich diese Software anschaut. Denn nach der Beta-Version wird dieses Programm eben auch Geld kosten, logischer Weise.

Kategorie: Allgemein

4 Kommentar

  1. Erstaunlich finde ich die reine Fokussierung auf den Mac. Da immer noch der größte Teil der Computer-Benutzer – auch ein großer Teil der Fotografen – auf einem Windows-Rechner arbeitet, wäre eine Version für Windows für den Erfolg sicherlich sinnvoll…

    • Hi Ingo,

      ich glaube nicht, dass der größere Teile der Fotografen Windows nutzt. So wie ich das mitbekomme sind eher die meisten Profis immer noch auf dem Mac unterwegs. Und da das sicherlich auch vom Fokus her amerikanisch ist, macht die Mac Variante da mehr Sinn. Das sorgt für mehr Aufmerksamkeit…;)

      Zumal entwickelt die Firma, so wie ich das sehe, ausschließlich Mac Apps. Ist also auch eher eine Kompetenzfrage…

      Lg Achim

      • Hallo Achim,

        in Bezug auf Profis (in der Bedeutung: Berufsfotografen) hast Du recht. Die verwenden überwiegend Macs. Genauso wie die meisten „Pixelschubser“, d.h. beruflichen Photoshop-Benutzer. (Interessanter Fakt aus meinem beruflichen Umfeld: In der Druckvorstufe für Verpackungen wird seit ein paar Jahren Windows immer stärker…)

        Ich bezog mich in meiner Aussage allerdings auf die Gesamtheit der Fotografen, d.h. Profis, Semi-Profis und Amateure, die ebenso Photoshop benutzen. Da dürfte Windows immer noch die Nase vorn haben.

        Dass die Firma nur für den Mac entwickelt, habe ich auch gesehen. Allerdings finde ich auch das ein wenig befremdlich. Ich würde heute nur noch Plattform- / Betriebssystemunabhängig Software entwickeln. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung und ich möchte keinesfalls eine Betriebssystemdiskussion vom Zaun brechen… ;-)

        Viele Grüße,

        Ingo

        • Hi Ingo,

          nee bitte keine Glaubensdiskussionen…:)) Die Firma hat eben den Fehler gemacht, es für Profis anzukündigen. Und das ist sicherlich ein großer Fehler. Sie limitieren sich damit selbst und das wird in die Hose gehen.

          Plattformunabhängig hört sich gut an, nutze ja auch HDR projects, welches es eben für Windows und Mac gibt. Ich kann aber auch verstehen, wenn man für eine Plattform speziell entwickelt, da hier und da sicherlich ein paar Details im Coding machbar sind, die eben gezielt auf die Hard- und Software einer Plattform eingehen. Ist natürlich dann mehr Aufwand, musst halt 2x alles coden, wenn Du das dann für Windows und Mac machen willst…

          Bin gespannt, wie es mit der Software weitergeht…

          Viele Grüße
          Achim

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